Corbusier, Pionier des Brutalismus

Kunst, Bücher & Filme
Antoinette Schmelter-Kaiser
14.3.2025
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Le Corbusier bereitete seine Projekte mit akribischen Recherchen vor. Sein Ideal war, als höchste Stufe des Schaffens, Ordnung herzustellen. Was ihn prägte, bewegte und begeisterte, zeigen ein neues Buch und eine Ausstellung.

17 seiner Bauten (in sieben Ländern auf drei Kontinenten) wurden zum Weltkulturerbe erklärt. Doch diese bekannten Werke stehen im Buch „Le Corbusier. Die Ordnung der Dinge“ nicht im Fokus. Ziel des Buchs ist es vielmehr, den „Propheten“ der Moderne anhand seines künstlerischen Denkens und seinr Entwurfsphilosophie zu erklären.

Geduldige Forschung als Vorbereitung

Beides spielte bei Le Corbusier nämlich eine relevante Rolle. Jedes Projekt bereitete er – oft über Jahre hinweg – durch eine „geduldige Forschung“ akribisch vor: eine vertiefte Auseinandersetzung mit Themen, für die sich Le Corbusier mit Kultur-, Kunst- und Architekturgeschichte, Natur und den technischen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen seiner Zeit beschäftigte.

Ordnung als höchste Stufe des Schaffens

Ergebnisse seiner intensiven Recherchen sind nicht nur architektonische Meilensteine, sondern auch unzählige Bücher sowie Abertausende Arbeitsskizzen, Zeichnungen und umfangreiche Objekt-Sammlungen – lauter Belege des lebenslangen Versuchs von Le Corbusier, als „höchste Stufe des Schaffens“ Ordnung herzustellen.

Prägende Figur der Moderne

Diesen Weg begleitet das Buch mit einer Vielzahl an Abbildungen von Aquarellen über Collagen und Studien bis hin zu Gemälden genauso wie mit informativ-fundierten Texten von fachkundigen Autor:innen. Kapitel für Kapitel entsteht ein Überblick über das facettenreiche Schaffen von Le Corbusier, der zu „denjenigen Figuren der Moderne“ gehört, „die sowohl die Architektur als auch das Design und die Kunst des 20. Jahrhunderts prägten“.

Überraschendes über Le Corbusier

Wer sich durch über 250 Seiten liest oder blättert, erfährt aber auch Überraschendes:

  • Der 1887 Geborene hieß mit bürgerlichem Namen Charles-Edouard Jeanneret-Gris und benutzte erst ab 1920 das Pseudonym Le Corbusier: die Kombination des Nachnamens der Urgrossmutter – Lecorbéssier – und des französischen Wortes für Rabe – corbeau.
  • Le Corbusier war ein Liebhaber von Klöstern. Sie begeisterten ihn aufgrund ihrer funktionalen räumlichen Gliederung, klaren Trennung zwischen privaten und öffentlichen Bereichen und der Qualität ihrer Räume, die eine meditative Ruhe bieten – für ihn die „einfachste und zwingendste Lösung aller möglichen Lösungsmöglichkeiten“ für das Problem des Wohnens.
  • Als Architekt huldigte der Pionier des Brutalismus dem Prinzip der Formstrenge und puristisch-geometrischen Planung. Privat umgab er sich mit einem kunterbunten Sammelsurium an Objekten von spanischer Keramik über afrikanische Skulpturen bis zu angeschwemmten Knochen, Pinienzapfen, Muscheln und Steinsplittern.
  • „Polychromie architecturale“ nannte sich eine von Le Corbusier entwickelte Farbpalette aus zunächst 43, dann 63 Tönen. Sie ließen sich beliebig miteinander kombinierbar und dienten dazu, Räume zu strukturieren.
  • Wer mehr über "Le Corbusier. Die Ordnung der Dinge“ wissen will, kann das nicht nur in Buchform erfahren (Scheidegger & Spiess, 38 Euro). Zum 20-jährigen Jubiläum zeigt das Zentrum Paul Klee bis 22.6.2025 eine gleichnamige Ausstellung, deren Katalog das vorgestellte Buch ist und aus der alle gezeigten Abbildungen stammen – und das in Räumen, die eine andere Architektur-Koryphäe entworfen hat: Renzo Piano.

Teaserbild: © Poème de l'angle droit (Portfolio, Blatt 55), 1955 Lithografie 32 × 49 cm Fondation Le Corbusier, Paris © 2025, FLC/ProLitteris, Zurich